Montag, 17. September 2007

Schenk mir die Kava ein!

Weck mich aus meinem Schlaf,
Komm und küss mich wach,
Komm ins Weiß – Wir wollen uns lieben,
Dies ist das Tor zum Ort des Friedens,

Wir wollen Berührung und verhindern,
Dass geistige Verwirrung trennt,
Was in Liebe erst entsteht,
Und in sich selbst zusammen hängt,

Wir wollen heut feiern, tanzen, singen,
Die Welt in bunte Farben färben,
Wir müssen nichts, es ist ganz gleich,
Was die anderen sagen werden,

Schenk mir die Kava ein,
Lass uns doch glücklich sein,
Das Hohelied des Menschen singen,
Den sein Verderben nicht bekümmert,

Ich war immer ein Teil von Dir.
Wenn Du magst, dann werden wir,
Uns entgrenzen und verlieren,
Vergessen Wünsche und Begier,

Wenn ich Deinen Atem spür,
Und außen fühle, wie Du bebst,
Beginnen wir, entstehen wir,
Erwecken wir, was noch nicht lebt.

Mittwoch, 05. September 2007

Unter Den Linden

Du bist einsam in der Fremde,
Niemand geht ans Telefon,
Alte Freunde und Bekannte,
Zerstritten oder schon verstorben,

Sind Vergessen und verhasst,
Wie Linien, die zu Ende gehen,
Sie sehen nicht, wer Du jetzt bist,
Haben aufgehört, Dich zu verstehen,

Am Pflaster pochen Deine Schritte,
Schlank gehst Du den Park entlang,
Ein Herbstblatt fällt auf Deine Schulter,
Dein guter Mantel hält Dich warm,

Deine Gedanken ziehen vergeblich,
Kreise, die ins Dunkel führen,
Dein Schal ist sanft, Dein Duft ist süß,
Du lässt die Schatten Dich verführen,

Du kannst Dich fürchten, Du darfst schwach sein,
Du magst scheitern, lass Dich fallen!
Trotz Hysterie, trotz Depression,
Du bist ein so schöner Mann,


Dein kühler Blick aus schönen Augen,
Gibt Dein Geheimnis niemals preis,
Dein Leben ist ein Spiel des Schönen,
Das einem Theater gleicht,

Dein Caraceni sitzt vollkommen,
Ein Schmuckstück, das nur Dir gebührt,
Es ist ein Kartenhaus, ein Schaum,
Ein Dunst, ein Wahnsinn, der Dich rührt,

Du kannst Dich fürchten, Du darfst schwach sein,
Du magst scheitern, lass Dich fallen!
Trotz Hysterie, trotz Depression,
Du bist ein so schöner Mann.

Montag, 13. August 2007

Wir Menschen sind Engel und leben im Himmel.

Früh am Morgen. Es ist schön:
Träume vergehen, neue entstehen
Die Welt des Tages ist jetzt Traum
Kein Plan, kein Wollen, nur noch Schauen –
Betrug der Sinne, Impression –
Sie ist ein Gaukeln, sie tut mir wohl

Die Reise, die ins Schöne führt
Die Anderswelt, die reizt und rührt
Sie ist geheimer Kitsch und Tand
Sie ist ein unsichtbarer Tanz
Genieße Küsse auf der Haut!
Bild und Duft, Geschmack und Laut

Sind schöner Eindruck, Sinnenwerk
Kein wildes Flehen, sondern Scherz
Denk nicht mehr an, was es gibt
Sing Lügen und ein Liebeslied!
Ein unhörbares Ja! erklingt
Der Welt die Macht, die sie sich nimmt!

Erstauntes Schweigen herrscht zunächst
Ja, die Stimmen verstummen jetzt
Du bist noch schüchtern, Dein Jubilieren
Ein schönes Lächeln, schlicht Harmonie
Es ist ein Fragen und kein Reden
Ein Zugeständnis, ein Eingestehen

Ein bloßes Tun und doch kein Denken
Es ist ein Fallen und kein Lenken
Es ist zuletzt nur Scherz und Schein
Der Zorn der Welt dringt nicht herein
Die Selbstbeherrschung fliegt im Wind
Im Rausch der Sinne: Do What Thou Wilt!

Montag, 06. August 2007

Rubin De Sânge


« Es hat angefangen ein neuer Akt der göttlichen Komödie, und sein Leitspruch lautet: Die Menschen wissen, daß sie im Himmel sind. »

Die Kava steht in den Bechern und das Opium breitet sich im Raum aus, geduckt, statisch, am Parkett entlang, durch die Flügeltüren des hohen, weiß gestrichenen Raumes. Zwischen den vielen gerahmten Gemälden, zurückgelehnt und faul, mit leerem Kopf und müden Augen sitzt die Kunstfigur. Der Mund hat sich unbemerkt geöffnet, die Lider werden schwer. All das macht der Rauch. Die Kunstfigur ist Ich, ist Fiktion, ist Traumbild oder Seele. Dieser Mensch ist bloß noch Hülle. Und keineswegs von Interesse. Was in ihm ist, das wird nie jemand verstehen. Ob etwas darinnen ist, wird nie jemand vermögen zu erfahren. Er mag absolut alles wissen, oder auch überhaupt nichts. Seine Vergangenheit scheint aufgelöst, nichts hat sich durch die Augenblicke herüber gerettet. Eine unsichtbare Wand grenzt diesen Menschen, ja diesen Moment, von all der Welt ab.

Ein Funkeln ist zu sehen – der ganze Raum ist in einem Bergkristall fixiert: Er wird sicher keine blöden Scherze machen. Auf der Kommode, es ist gutes, festes Ahornholz, liegt ein in weißes, feines Leinen gebundenes Buch: Joris-Karl Huysmans – Gegen Alle (A Rebours), mit Goldschnitt versehen, kunstvoll in Bodoni gesetzt. Gegenüber, direkt hinter einer messingfarbenen Leselampe, liegt eine aufwendige Ausgabe von Baudelaires Die Blumen des Bösen. Von den Wänden blicken die Gesichter Giovanni Boldonis Comte Robert de Montesquiou-Fezensac, Thomas Eakins Portrait of Douglas Morgan Hall und jenes von Napoléon beim Übergang über den Großen St. Bernhard, gemalt von Jacques-Louis David. Auch noch viel mehr der schönen Dinge lagern um die Traumgestalt: die besten Schuhe, nach Budapester Schnitt gefertigt, halbhohe Reitstiefeletten aus der Manufaktur der Schwarzen Braunschweiger, Seidenhemden, Samthosen, eine Kiste besten Weines, edler Brandy und Tabak, die exotischsten Orchideen und auch Schnittblumen, erlesenes, böhmisches Porzellan und eine prächtige Bettstatt, drapiert mit einem großen Tuch aus dottergelbem Brokat.

Noch minutiöser und schöner als all dieser Tand, der unsre Kunstfigur umgibt, sind all die Träume und Konzepte, die Visionen, die Epiphanien und Erinnerungen, um diesen Müden, Leeren herum angeordnet. Sie umgeben den Körper und durchdringen seine Poren wie Nebel. Nicht weiter schwer, denn unsre Traumfigur ist vakuös und auch porös. Wie einen Platzhalter durchlaufen sie die Geschehnisse ihrer Geschichte, wenn sie sich in ihrer kristallinen und hermetischen Statik ihrer Vergangenheit entsinnt. Und wie Brillianten durchdringt sie das Schöne, in Form verdinglichter Erinnerung, wenn sie an die Blumen ihrer Jugend denkt, an die Sonntage im Garten, an die Liebe am Nachmittag oder an das Mädchen, das diesem Schwindel aus Fleisch so fremd war und dessen unirdische Anziehungskraft ihn so enigmatisch verführte. So wie er diesen oder jenen Augenblick sich ins Gedächtnis ruft, verändern die vergegenständlichten souvenirs à discrétion ihre Bahn und durchfahren unseren Menschen aus Quatsch und Betrug.

Niemand kann diesem Ich, diesem Phantom verbieten, zu sein; bloß zu sein – frei von und fern der Welt, von seinen schönen Dingen umgeben, und im Besitze der erlesenen Erinnerung: an Unterhaltungen, den Wein, die Schönheit, das Neue und den Exzess. Auf seinem Gesicht liegt eine jugendliche und naive Schönheit, unbehelligt, unbefleckt. Ihm ist der ganze Zauber Wirklichkeit: Der Tand ist ihm die Welt, die Träume, sie sind ihm Realität. Keineswegs ist er ein Zyniker, und doch blendet er die Welt durch die Morbidität seines Daseins. Doch warum soll es böse sein? Die Wahrheit lässt er Wahrheit sein, das Gute ist ihm viel zu esoterisch. Er ist einfach. Allein damit das Schöne bleibt.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Manchmal muss man mit Gefühlen scherzen.


I

Ich werd’ mit lachendem Gesicht,
Im Dunklen auf dem Boden liegen,
Die Werte, auf den’ ich, gleich leichten
Wolken, schreite, lass ich fliegen.

Die Frage bleibt: Wozu dann Leben?
Geheimnisse sind noch verborgen.
Die Antwort fehlt. Es bleibt der Wunsch:
Ein zweites Augenpaar am Morgen.

Die Frage, die sich aufdrängt, bleibt.
Wir müssen mit Gefühlen scherzen,
Als die Berührung zweier Geister.
Es geht dabei um Lust und Schmerzen,

Sich verschwenden, für die Sache.
Sie wurzelt in Tautologien,
Darauf spuck’ ich, und doch brauch ich’s
In der Hitze des Gefühls.

.

Im Du komm ich zu Stande,
Ich entsteh an Deinem Rande,
Er weist mich in die Schranke.
Ich bin, weil Du Dich sehnst,
Du bist was mich begrenzt,
Herstellt und entgrenzt.


II

Ich sehe die Leute in den Straßen,
Die Bahnsteige und das Parfum,
Melancholie und Zigaretten —
« L’amour l’après-midi, enfin. »

Aus mir spricht ein betörter Narr:
Nein zur Welt und ja zur Liebe!
Die Wirklichkeit ist die Gefahr,
Die letzte Hoffnung sind die Triebe!

Ein Irrer nötigt seinen Henker,
Und irgendwann hört sie das Flehen.
Ab hier und jetzt ist alles Scherz,
So klingt das freudige Gestehen:

Sieh, Dir neig’ ich mich beharrlich,
Zu bekunden meine Gunst!
Meinen Eifer zeigen, lass mich,
Dich Beschenken ist mein Wunsch!

.

Im Du komm ich zu Stande,
Ich entsteh an Deinem Rande,
Er weist mich in die Schranke.
Ich bin, weil Du Dich sehnst,
Du bist was mich begrenzt,
Herstellt und entgrenzt.


III

Unter die See schick ich die Liebe,
Denn fehlt sie mir, dann bin ich nicht.
Oder ziel ich bloß zwischen die Beine?
Der Glaube dämmert und das Licht.

Aber, na gut! So ist es eben.
Nur Liebe, die erwidert, zählt.
Eine Wut hab ich aufs Leben.
Wenn’s Dich so zum Narren hält.

Würg den Hals und locke Schreie!
Eingtlich ist es wunderbar,
Und die Gewalt muss uns befreien.
(Take the neck of your guitar.)

Ich werd’ mich ärgern. Ich werd’ toben.
Die Welt muss in die Brüche gehen.
Ich werde nachts durch Wälder streifen,
Wenn die schwarzen Flaggen wehen.

.

Im Du komm ich zu Stande,
Ich entsteh an Deinem Rande,
Er weist mich in die Schranke.
Ich bin, weil Du Dich sehnst,
Du bist was mich begrenzt,
Herstellt und entgrenzt.